Chronik der Cottbuser Brache

„Das Grundstück und die Situation bleibt so wie sie ist, also unbefriedigend. Wir werden bezüglich der Begrünung solange Widerstand leisten, wie wir können. Solange bleibt der Zustand der ,Baustelle‘ erhalten. Wir bleiben weiter Eigentümer der Liegenschaft, müssen nicht verkaufen oder sonstige Zwangsmaßnahmen tätigen. Das Grundstück ist bezahlt und hat monatliche Kosten, die wir noch 20 Jahre bezahlen können. Ein Weiterverkauf ist nicht angedacht. Die Stadt kommt irgendwann wieder auf uns zu, um uns zu ermuntern, auf diesem Privatgrundstück was zu machen. Wir werden dann nach dem Motto handeln: Wir sind nicht nachtragend, können aber nicht vergessen. Ich will damit sagen – es wird keine städtebaulichen Maßnahmen geben, die der Investor bezahlt.“ – René Becker (EKZ Stadtpromenade GmbH), 2013 [47]

Vorwort

Die Geschichte der klaffenden Brachfläche in der Cottbuser Stadtpromenade ist inzwischen lang – unsäglich lang. Es ist soviel schief gegangen und schon soviel darüber gesagt worden, dass es fast unmöglich geworden ist, den ganzen Verlauf zu überblicken. Damit nicht einfach unter den Teppich gekehrt werden kann, wie oft, wie dreist und wie unnötig hier gelogen, gefeilscht und verschoben wurde, haben wir diese Chronik erstellt. So muss sich niemand mehr nur auf lückenhaftes Hörenversagen derjenigen verlassen, die dieses Trauerspiel schon über all die Jahre haareraufend verfolgt haben.
Es handelt sich im Grunde um eine ausgiebige Presseschau. Alle Quellen sind verlinkt und am Ende dieser Seite noch einmal vollständig aufgelistet, damit jeder im Zweifel selbst nachschauen kann. Bis auf wenige Ausnahmen sind die Quellen auch ohne Abo beim entsprechenden Medium zugänglich – umso jünger der Artikel, desto schwieriger wird es leider.
Auf Grundlage der Presseberichterstattung lassen sich natürlich nicht alle Fragen klären. Auch diese Chronik besitzt noch Leerstellen. Wenn ihr neue oder abweichende Informationen habt, teilt sie uns unter Angabe der Quelle per Email mit (sfa_cb@mail.de)!

Wir meinen, wer sich den Verlauf der Debatten und Vertröstungen rund um die Stadtpromenade aufmerksam anschaut, wird zu folgenden Schlüssen kommen:
1. Es ist völlig absurd, dass eine Stadt ihre eigene Innenstadt entweder von der Treuhand kaufen oder einem Spekulanten überlassen muss.
2. Das zentrale Problem sind die Eigentumsverhältnisse der Fläche. Ohne sie zu ändern, kann sich diese Geschichte noch ewig so fortsetzen.
3. Inzwischen ist es geradezu Wahnsinn, von den aktuellen Eigentümern der Fläche noch irgendeine Form von Verlässlichkeit zu erwarten.


So lang, so verwinkelt und so frustrierend wie die wirkliche Geschichte der Brache, ist notgedrungen auch diese Chronik. Damit der Text nicht noch länger wird, haben die Informationen dicht aneinandergereiht. Dabei haben wir uns Mühe gegeben, die Navigation durch diesen Faktenberg etwas zu erleichtern. Springt zu den Kapiteln, die euch besonders interessieren oder nehmt euch diese unglaubliche Story Stück für Stück von Anfang bis Ende vor.

Die Brache

Wir müssen gar nichts.

René Becker (EKZ Stadtpromenade GmbH / Gepro Bau GmbH), 2013 [18]

Mit den Plänen für einen zweiten Bauabschnitt des CBC beginnt die Vorbereitung der Brache. Aus der Vorgeschichte wissen wir: Die Gepro Bau GmbH startete als Bewerber für den Bau des CBC und konnte überzeugen, weil sie ein kleineres Einkaufszentrum und den Erhalt des „Sternchen“ und die Wiederbelebung der Pavillons versprachen. Letztendlich bauten sie ein Einkaufszentrum mit etwa gleich großer Verkaufsfläche wie die vorherigen Bewerber, rissen das „Sternchen“ ab und minimierten ihre finanzielle Beteiligung im Vergleich mit den Vorbewerbern. Keine Spur von wiederbelebten Pavillons, Kino und neuer Saunalandschaft. Schon früh eingebrachte Gestaltungsvorschläge aus der Bevölkerung wurden nicht berücksichtigt. Am Ende steht vom ehemals denkmalgeschützten Ensemble nur noch die Fassade der Blechenschule als Schmuck eines Einkaufsklotzes. Im Jahr 2020 können EKZ Stadtpromenade GmbH vorweisen, ein Einkaufszentrum gebaut sowie den Rest der Stadtpromenade gemeinsam mit dem Vertrauen der Cottbuser zerstört zu haben.

Planung für ein zweites Einkaufszentrum

(02/2007 – 06/2008)

Im Februar 2007 wird ein Workshop eröffnet, in dem bis Juni verschiedene Entwürfe für ein zweites Einkaufszentrum auf der Restfläche der Stadtpromenade entwickelt und vorgestellt werden sollen. Fünf Architekturbüros nehmen teil, es sollen auch Bürgerinnen und Bürger beteiligt werden [1]. Im Juli gründen die Gepro-Chefs eigens für den zweiten Bauabschnitt die EKZ Stadtpromenade GmbH [24]. In einer Umfrage der Lausitzer Rundschau zum Workshop stimmen Leserinnen und Leser mehrheitlich für den Vorschlag des Büros Hampel, Kotzur und Kollegen. Trotzdem gibt René Becker (Geschäftsführer EKZ Stadtpromenade GmbH) im August bekannt, dass sie sich für den Entwurf des Büros Karl Ernst Consultings hätten. Bürgerinnen und Bürger fühlen sich vor den Kopf gestoßen, da sie erst großmütig eingeladen wurden, sich einzubringen und nun doch nicht beachtet werden [25]. Im November 2007 kündigt Andreas Haas (Geschäftsführer EKZ Stadtpromenade GmbH) den Baubeginn in der zweiten Hälfte 2008 an [26]. Erst im Mai 2008 entscheidet der Investor sich doch für den leicht geänderten Entwurf von Hampel, Kotzur und Kollegen [28]. Im Juni wird die Änderung des Bebauungsplans auch in der Stadtverordnetenversammlung abgesegnet [1]. Der angekündigte Baubeginn verschiebt sich auf das Frühjahr 2009 [29].


Der Investor will mehr

(05/2009 – 04/2010)

Im Mai 2009 ist allerdings immer noch nichts geschehen. Inzwischen gibt es Streit zwischen Stadt und Investor. Erstere will zwei große Ankermieter und eine Beschränkung der Sortimente, um die Einzelhändler in der Sprem zu schützen. Der Umweltausschuss unterstützt aber EKZ. Bei Genehmigung einer Bebauungsplanänderung sei eine Eröffnung Ostern 2011 möglich, so Haas (Geschäftsführer EKZ Stadtpromenade GmbH). Einen Monat später knickt die Stadt ein und genehmigt den neuerlich geänderten Bebauungsplan [30]. Im Oktober beantragt die EKZ den Abriss der Pavillons. Die Stadt erklärt sich bereit, bis zu 450.000 € für den Abriss bereitzustellen. Der Entwurf für den zweiten Bauabschnitt wird erneut von einem Architekturbüro umgestaltet. Der Bau solle nun Mitte 2010 beginnen, eine Eröffnung sei für Frühjahr 2011 geplant [31]. Letztendlich werden sich die Abrisskosten für die Stadt auf 420.000 € belaufen [32]. Im Januar 2010 wird dann auch die Abbruchgenehmigung für die Pavillons erteilt [1]. Gebaut wird aber nicht, denn die EKZ legen im März nach: Die vereinbarten 4 500m² Verkaufsfläche reichen ihnen plötzlich nicht mehr [33]. Die Stadt beugt sich im April erneut dem Druck des Investors. Dieser verpflichtet sich lediglich, die Ladenpassage der Wohnscheibe an den Eingang zu den Centern anzubinden [34]. Schon wieder werden neue Termine genannt: Baubeginn Herbst 2010, Eröffnung Ostern 2012 [35].

(Photo: © Stadtpromenade für alle)


Bürgschaft für den Bau

(07/2010 – 06/2011)

Im Juli 2010 werden Gerüchte laut, der Bau würde sich verzögern. Haas (Geschäftsführer EKZ Stadtpromenade GmbH) dementiert jedoch und verweist erneut auf eine Eröffnung zu Ostern 2012 [36]. In Vorbereitung auf den Baustart tauschen Stadt und EKZ im Oktober kleine Teile von Grundstücken [1]. Neben einer erneuten Änderung des Bebauungsplans wird im November auch ein Ordnungsmaßnahmenvertrag geschlossen, der die Finanzierung des Abbruchs der Pavillons regelt. Ein außerdem unterzeichneter Durchführungsvertrag beinhaltet eine Umsetzungsverpflichtung für die EKZ. Der Bauantrag muss sechs Monate nach Inkrafttreten der Satzung gestellt werden, also spätestens am 11.06.2011. Der neue Zeitplan sieht im Januar 2011 den Abriss der Pavillons und im Sommer 2011 den Baubeginn vor [1]. Im April 2011 soll die EKZ eine Bürgschaft von 250.000 € hinterlegen, welche die Verfüllung und Begrünung der Baugrube absichern soll, wenn nach vollständigem Rückbau der Pavillons immer noch nicht mit dem zweiten Bauabschnitt begonnen wird [1]. Ein Ausblick: Weder wurde bis heute gebaut, noch das Geld zur Begrünung verwendet. Zwar werden von April bis Juni die Pavillons abgerissen und Mieter für das neue Einkaufszentrum genannt [37], die Bauverpflichtung kann die EKZ aber nicht erfüllen. Als Grund wird die Bankenkrise genannt [1]. Und schon wieder wird ein neuer Zeitplan nötig: Baubeginn – Frühjahr 2012 / Eröffnung – Oktober 2013 [38].

Von Verfall über Baustelle bis Brache

EKZ kann nicht finanzieren

(04/2012 – 04/2013)

Im April 2012 wird eine Änderung des Durchführungsvertrags von 2010 beschlossen. Die EKZ müssen spätestens sechs Monate nach Rechtskraft der Baugenehmigung mit dem Bau beginnen und innerhalb von 18 Monaten fertig werden [39]. Das heißt die EKZ werden verpflichtet, bis Februar 2014 den zweiten Bauabschnitt fertigzustellen. Im Juni erklärt der EKZ-Geschäftsführer Haas, dass es keinen Termin für den Baustart gäbe, die Eröffnung allerdings erst im Frühjahr 2014 zu erwarten sei, weil das Finanzierungskonzept nicht aufgehe. Der ursprüngliche Plan war, das CBC zu verkaufen und dadurch den zweiten Bauabschnitt finanzieren zu können. Bisher hätten Angebote allerdings unterhalb des Bauwerts gelegen. Dafür macht Haas auch den Ruf von Cottbus verantwortlich – (was auch immer das heißen soll) [40]. René Becker (Geschäftsführer EKZ Stadtpromeande GmbH) stellt öffentlich klar, dass die EKZ an dem Plan, zu bauen, festhält, sich aber nicht durch die Stadt unter Druck setzen lassen wird, wenn es um den Zeitpunkt der Flächenentwicklung geht [41]. Im September 2012 heißt es dann aus der Stadtverwaltung, der Baubeginn solle im Frühjahr 2013 und die Eröffnung im Herbst 2014 erfolgen – ganz offensichtlich später als im Durchführungsvertrag vereinbart [42]. Ein im Januar 2013 präsentiertes, ganz neues Finanzierungskonzept sieht vor, das CBC nicht mehr zu verkaufen, sondern den zweiten Bauabschnitt separat von einer Bank finanzieren zu lassen. Der Jahresumsatz des CBC soll nach der Erweiterung von 47,5 Mio. € auf 63 Mio. € steigen [43]. Eine Entscheidung der Bank werde bis zum 31.03.2013 erwartet. Baudezernentin Marietta Tzschoppe äußert bereits Zweifel daran, dass der Bau im Sommer wie angekündigt beginnen könne, selbst wenn die Bank Ende März die Zusage erteilen würde und die Stadt schnellstmöglich die Genehmigung erteile [44]. Nachdem die EKZ im April erneut einen Antrag auf Änderung des vorhabenbezogenen Bebauungsplans stellen, verkünden sie im Mai, man habe endlich einen Investor gefunden. Die EKZ müsse sich selbst allerdings stärker finanziell beteiligen [45]. Die Stadt bildet jetzt eine Arbeitsgruppe, um die Verhandlungen zur Umsetzung des Baus zu begleiten. Dazu wird ein Zehn-Punkte-Plan zur Klärung offener Kostenfragen, einschließlich sechsstelliger Beträge, erarbeitet. Die EKZ könnten einen Bauantrag einreichen, sobald sie alle Punkte erfüllt hätten [46].

Investor will nicht, kann nicht und droht

(Juli 2013 – Dezember 2013)

Das ist eine Privatfläche. Die kann zwar begrünt, aber nicht öffentlich begangen werden.

René Becker (EKZ Stadtpromenade GmbH / Gepro Bau GmbH), 2013 [48]

Eigentlich sollte die EKZ Ende Juli 2013 ihr Finanzierungskonzept vorstellen, kann es aber nicht. Stattdessen sendet der EKZ-Geschäftsführer Becker der Stadt einen aggressiven Brief, indem er – kurz gesagt – Cottbus damit droht, die Fläche langfristig verkommen zu lassen, wenn man ihnen nicht weiter entgegenkäme. Trotz Unmut bei einigen Stadtverordneten stimmen sie tatsächlich auf diese Unverfrorenheit hin zu, den Nachweistermin für die Finanzierung auf Ende Dezember zu verschieben [47]. Dazu muss man sich bewusst machen, dass die Gepro/EKZ die Fläche ohne Auflagen von der TLG erwerben konnte und die Stadt daher wenig Handlungsmöglichkeiten sieht (siehe „Die Stadt in der Hand des Investors“). Auf die Tatsache angesprochen, dass die EKZ eine Bürgschaft hinterlegt hätte, die für die Begrünung der Fläche eingesetzt werden sollte, falls nicht gebaut wird, erwidert Becker: „Das ist eine Privatfläche, die kann zwar begrünt, aber nicht öffentlich begangen werden.“ [48]. Als neuen Eröffnungstermin nennt Becker das Frühjahr 2015 [106]. Eine Bedingung für den erneuten Aufschub ist, dass die EKZ ab sofort monatlich Auskunft über die Fortschritte ihrer Planung zu erteilen hat. Ganz ihrer neuen Linie offensiver Kooperationsverweigerung entsprechend, erscheint die EKZ im November aber nicht zum Termin beim Sonderwirtschaftsausschuss. Wieder stößt Becker die Stadtverordneten mit einem Brief vor den Kopf. Er schreibt, die EKZ werde nicht mehr an Gesprächen teilnehmen oder Stellungsnahmen abgeben bis die Finanzierung geklärt sei [49]. Wenig überraschend wird auch der Termin Ende Dezember nicht eingehalten.

Das Aufhebungsverfahren wird eingeleitet

(Januar 2014)

Das Aufhebungsverfahren interessiert uns nicht. Deshalb haben wir auch nicht den Termin in der nächsten Woche gemacht.

René Becker (Geschäftsführer EKZ Stadtpromenade GmbH), 2014 [50]

Die Verweigerungshaltung und Wortbrüchigkeit der EKZ scheint selbst den bisher nahezu hörigen Stadtverordneten zu weit zu gehen. Ein Aufhebungsverfahren wird eingeleitet. Über die Vorlage abstimmen wollen die Stadtverordneten aber erst nach dem 23. Januar, weil die EKZ an diesem Tag angeblich umfangreich darlegen wollen, wie bis zum 30. März die Gesamtfinanzierung abgeschlossen sein soll. Vorab sagt der Abgeordnete Streese (CDU): „Was wollen die uns denn erzählen, was sie nicht schon im Dezember hätten sagen können?“ und Kettlitz (SPD) fasst gut zusammen, mit welcher Haltung die Stadtpolitik weite Teile der Kontroversen um den zweiten Bauabschnitt begleitete: „Wir hoffen alle darauf, dass am 23. etwas kommt, glauben aber nicht daran.“ [50]. Bei dieser Informationsveranstaltung erfahren Stadtvertreter und Bürger zwar viel mehr als sonst von René Becker (Geschäftsführer EKZ Stadtpromenade GmbH), allerdings nichts, was dessen selbstbewusstes Gepolter im Vorfeld rechtfertigen würde. Der erhoffte Investor sei ohne Begründung abgesprungen. Bereits neun Gespräche mit Banken seien ergebnislos verlaufen. Nun habe man sich Unterstützung durch ein Finanzberatungsunternehmen geholt. Eine notwendige Umfinanzierung des CBC sei frühestens im September soweit und Klarheit gäbe es erst Ende März. Auf die Frage hin, ob die EKZ die Fläche verkaufen würde, wenn es zur Aufhebung kommt, antwortet Becker ruppig: „Wir werden das Grundstück nicht verkaufen. Dann machen wir etwas Neues.“ [51]. Einmal mehr macht er damit klar, dass er sich frei von Verantwortung gegenüber Stadt, Bürgerinnen und Bürgern fühlt – ganz einfach deshalb, weil die Treuhand es ihm ermöglicht hat, sich ein Filetstück der sinnlos privatisierten Innenstadt einzuverleiben. Er gibt den sturen, unnahbaren Eigentümer. Die Stadt setzt das Aufhebungsverfahren in Gang, es kann aber gestoppt werden, wenn die EKZ rechtzeitig den Finanzierungsnachweis vorlegt [52].

Aufhebung ja, Schlussstrich nein

(April 2014 – September 2014)

Wir haben eine unsägliche Leidenszeit hinter uns mit immer neuen Wortbrüchen der Betreibergesellschaft EKZ. Jetzt reicht es.

Martin Kühne (Bündnis 90/Die Grünen), 2014 [54]

Wie man es inzwischen von der EKZ gewohnt ist, legt diese nicht wie angekündigt im April 2014 ihren Finanzierungsnachweis vor. Stadtparlamentschef Drogla (SPD) meldet inzwischen auch Zweifel daran an, ob ein zweites Einkaufszentrum überhaupt benötigt werde, da sich der Handel immer mehr ins Internet verlagere [53]. Im September sollen daher mehrere Gremien der Stadt zusammenkommen, um die Entscheidung über die Aufhebung des Bebauungsplans vorzubereiten (Termin für die Abstimmung – 24.09. / Beratung des Wirtschaftsausschusses – 10.09. / öffentliche Sitzung des Wirtschafts- und Bauausschusses 22.09.). Kurz vor dem absehbaren Ende ihres Projekts kündigt die EKZ dann im August einen neuen Investor an. Die französische Amundi Real Estate soll am 15. September öffentlich ihre Kaufabsicht erklären [54]. Genauer soll EDF Invest, eine Tochter der Électricité der France (EDF) das CBC kaufen [55]. Im gleichen Monat schaltet sich auch die IHK ein und fordert eine Verlängerung der Durchführungsfrist [56]. Als sich der Termin für den Aufhebungsbeschluss nähert, lässt sich die EKZ plötzlich doch herab, mit der Stadt zu sprechen. Nach einem nicht-öffentlichen Gespräch zwischen EKZ und Stadt halten CDU, Grüne und SPD weiter am Plan für ein Aufhebungsverfahren fest, AUB/SUB fordern mehr Zeit für den Investor und die AFD will die Entscheidung ebenfalls weiter verschieben [57]. Fraglich ist, wie viel Wirkung ein Brief von Becker gezeigt hat, indem er bittet, die Aufhebungspläne zurückzunehmen. Er legt darin auch dar, dass das CBC gar nicht in der Lage sei, „das Umland zur Erhöhung der Einzelhandelsumsätze zu aktivieren“ [23]. Deshalb sei die Erweiterung nötig. Ein wenig glaubhafter, erfolgloser Rettungsversuch kurz vor Schluss. Am 24. September 2014 fassen die Abgeordneten endlich den Aufhebungsbeschluss [58]. Damit tritt der vorherige Bebauungsplan in Kraft, der eigentlich die Neugestaltung der nun abgerissenen Pavillons vorsah.

Neuer Anlauf – alte Leier

(November 2014 – November 2016)

Nach der Aufhebung des Bebauungsplans konnte man hoffen, die Karten würden neu gemischt werden. Schon im November 2014 reicht die EKZ eine neue Bauvoranfrage ein [1]. Der frische Oberbürgermeister Holger Kelch (CDU) sagt, es würde auch eine Enteignung der Fläche geprüft [59]. Was daraus geworden ist, wissen wir nicht. Im Juli 2015 wird bekannt, dass Stadt und EKZ eine Kooperationsvereinbarung schließen wollen – trotz all der Vertrauen zerrüttenden Erfahrungen. Bis zum 27. Juli sollen beide Parteien ihre Vorschläge zur Gestaltung der Brachfläche präsentieren. Es soll ein kooperatives Verfahren mit Bürgerbeteiligung geben. Als Moderator des Verfahrens wird BTU-Professor Nagler eingesetzt [60]. Im Rahmen einer Planungswerkstatt werden vier Entwürfe verschiedener Planungsbüros vorgestellt. Am 11. August findet eine Zwischenpräsentation statt, am 11. September dann die Endpräsentation und Jurysitzung. Erst danach erfolgt vom 12.09. bis 19.09. der Bürgerdialog [61]. Insgesamt gingen mehr als 300 Anregungen von Bürgerinnen und Bürgern bei der Stadtverwaltung ein [62]. Im Dezember spricht sich Prof. Nagler für einen der Entwürfe aus, der auch städtebauliche Aspekte berücksichtige. Die EKZ will 18 Mio. € investieren. Im Januar/Februar 2016 sollen die Abgeordneten die Auslegung der Pläne und im März/April den Bau beschließen [63, 64]. Laut EKZ sei bei einer Bauzeit von 14 Monaten im September 2017 mit der Eröffnung zu rechen. Der Anbau soll 15.000 m² Bruttogeschossfläche, 72m³ umbauter Raum und eine Nettonutzfläche von 9.800 m² umfassen [65]. Die Linke schlägt einen Bürgerentscheid vor. SPD und CDU bleiben skeptisch. Grüne und AUB/SUB sind dem Projekt gegenüber positiv eingestellt [66]. Die Pläne werden im Februar nicht ausgelegt. Im April wird bekannt, dass die Auslegung verschoben wurde, weil die EKZ nun doch noch nach weiteren Einsparmöglichkeiten sucht [67]. Im verspäteten Auslegungsverfahren gibt es dann kaum Bürgerreaktionen. Wegen der Bauverzögerung fordert die Linke, die Vertragsstrafe von 250.000 € auf 1 Mio. € anzuheben – erfolglos. Die Stadtverordneten segnen den Bebauungsplan ab. Die Pavillons sollen bis Februar 2017 fertig werden, die Eröffnung nun im September 2018 erfolgen [68] – schon wieder ein Jahr später. Außerdem wird im September zwischen Stadt und EKZ ein Vertrag über den Verkauf einer kleineren Arrondisierungsfläche unterzeichnet [1]. Zusätzlich zum Bebauungsplan werden noch zwei städtebauliche Verträge geschlossen, die vorsehen, dass die Verkaufsfläche des Anbaus auf 5.900 m² begrenzt wird, davon 2000 m² für große Ankermieter [69]. Im November 2016 tritt der Bebauungsplan dann in Kraft [1].

Cottbus muss EKZ mehr entgegenkommen

(April 2017 – Oktober 2018)

„Das Bild ist wirklich unschön. Aber kein Investor der Welt nimmt Geld in die Hand, wenn er nicht weiß, ob es sich vermehrt.“

René Becker (Geschäftsführer EKZ Stadtpromenade GmbH), 2018 [70]

Im April 2017 wird der Bau aufgrund neuer Forderungen der EKZ verzögert. Cottbus ist ihnen zwar schon entgegengekommen und hat die Kosten für die Stellplatzablöse von 900.000 € auf 300.000 € reduziert, nachdem die Stadtverordnetenversammlung auf Initiative der CDU hin auf eine zweite Lesung der Sache verzichtet und die Vergünstigung für die EKZ durchwinkt. Das reicht denen aber nicht. Die EKZ will gar nichts zahlen und fordern zusätzlich einen Baukostenzuschuss von 1,2 Mio. €. Das lehnt die Stadt ab. Außerdem will die EKZ, dass die durch Planwerkstatt und Bebauungsplanverfahren entstandenen Mehrkosten in Höhe von 3,2 Mio. € ebenfalls von der Stadt getragen werden. Die EKZ ist wieder ganz zur alten Form aufgelaufen und setzt die Stadt in den Verhandlungen massiv unter Druck. Sie hat bisher auch nicht die vereinbarte Bürgschaft von 250.000 € überwiesen [71]. Im April 2018 wird dann die Baugenehmigung erteilt, die noch bis 24.05.2024 Gültigkeit besitzt [1]. Im Monat darauf beginnt die Stadt schon mal mit dem Bau der Flaniermeile neben dem 2. Bauabschnitt und dem Umbau des Postparkplatzes [72]. René Becker (Geschäftsführer EKZ Stadtpromenade GmbH) teilt nun mit, dass die EKZ in vielen Punkten vom vereinbarten Bauplan abweichen will. So sollen die Wohnungen auf dem Centerdach entfallen, da sie sich nicht gewinnbringend vermieten ließen, es soll keine Räume hinter der Fassade im Obergeschoss mehr geben, dafür aber die Ladengröße zunehmen [70]. Erst im Oktober führen Stadt und EKZ Gespräche über die Fortsetzung der Abbrucharbeiten auf der Fläche [1].

Kaufen, protestieren oder Verschönerung bezahlen?

(Januar 2019 – Dezember 2019)

Das finde ich gut. Da muss die Stadt viel Geld mitbringen.

René Becker (Geschäftsführer EKZ Stadtpromenade GmbH) Zum Antrag der SPD, Verhandlungen zum Kauf des Grundstücks aufzunehmen, 2019 [73]

Nachdem immer noch keinerlei Bewegung auf die Brachfläche gekommen ist, stellt die SPD im Januar 2019 den Antrag, mit der EKZ Verhandlungen zum Kauf des Grundstücks aufzunehmen, wenn der Bau nicht bis Februar begonnen hat [73, 74, 75]. Oberbürgermeister Holger Kelch und Bürgermeisterin Marietta Tzschoppe drängen jedoch darauf, keine Konfrontation zu suchen, weil dies den Fortschritt des Projekts erschwere. Daher wird der inzwischen gemeinsame Antrag von SPD und Linke verschoben [76]. Inzwischen hat sich auch eine erste Protestinitiative gebildet. Die Bürgerinitiative „Schönes Cottbus“ legt eine Petition mit 500 Unterschriften für eine Beseitigung der Brachfläche vor [1, 77]. Die Unterschriftensammlung wird fortgesetzt und immer mehr Menschen beteiligen sich. Auch Geschäfte legen die Liste aus. Im Februar wird die Initiative auch in der Stadtverordnetenversammlung diskutiert [78, 79]. Holger Kelch gibt aber bekannt, dass der Investor an seinen Plänen für ein Einkaufszentrum festhalte [80]. Im März heißt es dann schon wieder, dass der französische Investor sich aus dem Projekt zurückziehe [81], allerdings läge der Stadtspitze noch ein Gesprächsangebot der Rechtsvertretung von EDF vor [82]. Wie zum Hohn schlägt der CDU-Fraktionschef Hagen Strese im April vor: „Die Initiative Schönes Cottbus könnte doch auch Geld sammeln, um wie früher mit dem Verschönerungsverein die Fläche wenigstens ansehnlich herzurichten.“ [81]. Als neuer Termin für ein Gespräch mit dem Investor wird der 03. Mai benannt [83]. Dort gibt die EKZ bekannt, dass sie vor dem ersten Quartal 2020 keine Entscheidung über die Zukunft der Fläche treffen werden, allerdings würden Verhandlungen über eine Begrünung der Fläche und Umgestaltung der Unterkellerung aufgenommen [84]. Die EDF teilen beim Treffen mit den Stadtvertretern mit, dass sie sich noch in einem Prüfungsprozess befinden [85]. Im Juni protestiert „Schönes Cottbus“ vor dem Stadthaus [86] und reicht im Juli gemeinsam mit Frank Mittag (Unser Cottbus) einen Antrag auf Akteneinsicht zu den Verwaltungsvorgängen rund um das CBC und den zweiten Bauabschnitt ein, um zu erfahren, welche Gründe einer Bebauung entgegenstehen [87]. Im August wird dann auch auf höherer Ebene die Causa Stadtpromenade beleuchtet. Gesine Lötzsch (Die Linke) stellt im Bundestag eine Anfrage: Zu welchem Preis verkaufte die Bundesanstalt für Vereinigungsbedingte Sonderaufgaben die Fläche an Gepro-Bau bzw. EKZ Stadtpromenade GmbH? Ihre Frage wird aus formalen Gründen nicht beantwortet, weil der Verkauf von einem anderen Treuhand-Nachfolger getätigt worden wäre. Zu welchem Preis Becker und Co. von Gepro/EKZ die Fläche erworben haben, für die im Falle eines Rückkaufs „die Stadt viel Geld mitbringen“ [73] müsse, bleibt also weiter im Dunkeln. Im September stellt die EKZ klar, dass sie die Kosten für eine Begrünung der von ihnen verwüsteten Fläche nicht tragen wird [88]. Parallel dazu überreichen „Schönes Cottbus“ ihre inzwischen auf über 5.000 Unterschriften angewachsene Liste für die Beseitigung der Brache [89]. Die Linke beantragt außerdem eine Informationsveranstaltungen zu den Besitzverhältnissen der Fläche seit 1990 sowie Zukunft und Optionen für die Fläche [90]. Im November spricht Frank Mittag (Unser Cottbus) über seine Erkenntnisse nach der Akteneinsicht. Er durfte lediglich zwei der zehn Verwaltungsordner zu Blechen-Carré und zweitem Bauabschnitt prüfen: 2010 habe ein vorhabenbezogener Bebauungsplan für die Brachfläche vorgelegen, der aufgehoben wurde, weil 2014 eine Frist nicht eingehalten wurde. Außerdem wurde 2010 vertraglich festgehalten, dass die Fläche zu verfüllen und zu begrünen sei, wenn keine Bebauung vorgenommen würde. Zwei Jahre nach Ablauf des angekündigten Bebauungstermins (Dezember 2019) habe die Stadt ein Kündigungsrecht (Dezember 2021) – nicht erst nach Ablauf der Baugenehmigung [91]. Im Dezember wird dann auch die angekündigte Informationsveranstaltung durchgeführt. Sie ist zwar viel bebildert, allerdings bleiben die Informationen im Vergleich zu dieser Chronik, also den frei in der Presse verfügbaren Informationen, oberflächlich [1].

Ausstieg aus dem Fiasko?

(Januar 2020 – Mai 2020)

Auch 2020 gilt also noch: Die Hälfte der Stadtpromenade liegt brach. Ein Bebauungsplan von 2012 gilt noch bis 2024. Ein Kündigungsrecht hat die Stadt ab Ende 2021, wenn bis dahin nicht gebaut wurde. Im März tritt die Bürgerinitiative „Stadtpromenade für alle“ zusammen und fordert die Rekommunalisierung der Fläche und die zukünftige Kontrolle durch ein Bürgergremium. Damit soll ein Schlussstrich unter die nicht endenden Wortbrüche und Hinhaltetaktiken durch die EKZ gezogen werden [92]. Mit der Ausstellung „Schicksal Treuhand – Treuhand-Schicksale“ soll die Geschichte der Cottbuser Brache in die Reihe systematischer Entwürdigungen und Zerstörungen eingeordnet werden, denen Menschen in den neuen Bundesländern durch das Wirken der Treuhand ausgesetzt waren. Bis zum 31. März 2020 erwartet die Stadt eine Entscheidung vom Investor dazu, ob der zweite Bauabschnitt fertiggestellt werden kann. Die AFD und der fraktionslose Abgeordnete Michael Steinberg stellen einen Antrag für einen neuen Versuch zur Begrünung der Brachfläche. Der Antrag wird abgelehnt, da die Stadt nur eingeschränkte Handlungsmöglichkeiten bezüglich Finanzen und einer notwendigen statischen Prüfung der unterkellerten Fläche habe. Als zentrales Problem wird auch weiterhin betont, dass sich die Fläche in Privatbesitz befinde [93]. Am 31. März wird klar, dass die EKZ den Termin erneut verstreichen lässt und nicht über die weitere Entwicklung informiert, obwohl der öffentliche Unmut über den von ihnen verursachten Zustand immer weiter wächst [94]. Infolgedessen stellt die CDU mit Unterstützung der Linken im April einen Antrag „ein rechtlich geprüftes Ausstiegskonzept aus den vertraglichen Verpflichtungen mit dem Eigentümer und Investor zu erarbeiten“. Allerdings seien keine leichten Verhandlungen mit der EKZ zu erwarten, die bereits in die Fläche investiert hätte und deshalb auch im Falle eines Ausstiegs aus den Verträgen die Fläche nicht einfach verkaufen würde [95]. Im Mai schreibt die EKZ der Stadt wieder einen Brief. Diesmal mit der Beteuerung, grundsätzlich am Vorhaben festhalten zu wollen [96]. Der Antrag für ein Ausstiegskonzept wird in den Fachausschüssen diskutiert. Wolfgang Bialas (CDU) dazu: „Der Druck ist da, wir können uns nicht noch länger am Nasenring durch die Stadt führen lassen“ . Frank Mittag (Unser Cottbus), der im Jahr zuvor einen Teil der Akten zu den Bauprojekten einsehen durfte, erinnert auch noch einmal daran, dass der Bau Ende 2019 hätte abgeschlossen sein sollen. Laut Vertrag sei damit inzwischen eine Vertragsstrafe von 250.000 € fällig. Sein Vorschlag lautet, einen neuen Bebauungsplan mit Ziel einer Grünfläche zu verabschieden, um damit jedes Spekulationsinteresse auszuschließen [97].

Die Fundamentreste auf der Brachfläche vermodern immer weiter. (Photo: © Stadtpromenade für alle)

Baurechtliches Gutachten

(Juni 2020)

Die Abstimmung über den Antrag zur Erstellung eines Ausstiegskonzeptes wird weiter in den Juni verschoben, da der Oberbürgermeister zum Termin nicht anwesend sein kann [97]. Am 24. Juni findet dann tatsächlich eine Sitzung des Stadtparlaments mit Titel „Aktuelle Stunde zur Entwicklung in der Stadtpromenade“ statt, zu der auch René Becker (Geschäftsführer EKZ Stadtpromenade GmbH) sowie ein Jurist zur Klärung rechtlicher Fragen erscheinen [98]. Zur „aktuellen Stunde“ äußert sich zuerst Dr. Michael Burrack von der Anwaltskanzlei Göhmann. Er sieht keine Grundlage für eine Rücknahme der Baugenehmigung. Zwar sei der Städtebauliche Vertrag und anschließend der Bebauungsplan ohne Planungsschadenersatzansprüche durch die EKZ kündbar, wenn bis Ende 2021 nicht gebaut sei, die Baugenehmigung bliebe davon aber unberührt. Allerdings würde ein geänderter Städtebaulicher Vertrag mit neuem Konzept dazu führen, dass die EKZ bei allen zukünftigen genehmigungspflichtigen Änderungen an Bau oder Nutzung damit rechnen müssten, auf Ablehnung zu stoßen. Ob sie unter diesen Bedingungen trotzdem ihre Baugenehmigung ausnutzen würden, ist fraglich. Auf die Frage nach der Verpflichtung zur Begrünung war der Gutachter nicht vorbereitet. Für eine Enteignung sieht er im Baugesetzbuch keine Grundlage, eingehend beschäftigt habe er sich mit der Frage aber nicht. Hätte die Kommune ein Baugebot geschaffen, das nicht umgesetzt worden wäre, sei eine theoretische Grundlage für eine Enteignung gegeben. Die bereits geschlossenen Verträge lassen solch eine Maßnahme als Verwaltungsakt aber nicht mehr zu [100]. Warum die Stadt trotz all der schlechten Erfahrungen mit der EKZ auf ein Baugebot verzichtet hat, bleibt ungeklärt. Zu Artikel 15 Grundgesetz: „Grund und Boden, Naturschätze und Produktionsmittel können zum Zwecke der Vergesellschaftung durch ein Gesetz, das Art und Ausmaß der Entschädigung regelt, in Gemeineigentum oder in andere Formen der Gemeinwirtschaft überführt werden. Für die Entschädigung gilt Artikel 14 Abs. 3 Satz 3 und 4 entsprechend.“ [101] äußert sich Dr. Burrack gar nicht.

Becker kann Handel und Hinhalten

(Juni 2020)

Das ist gesichert. Und mehr müssen Sie dazu nicht wissen.“

René Becker (Geschäftsführer EKZ Stadtpromenade GmbH), 2020 [100]

Sie müssen etwas Vertrauen haben. Im übrigen verstehe ich diese Missgunst in keinster Weise.“
– René Becker (Geschäftsführer EKZ Stadtpromenade GmbH), 2020 [100]

Ich gebe keine Garantien ab, noch nicht einmal meiner Frau.“

René Becker (Geschäftsführer EKZ Stadtpromenade GmbH), 2020 [99, 100]

Im Anschluss an den Gutachter kommt am 24. Juni in der aktuellen Stunde des Stadtparlaments der sichtlich erregte René Becker (Geschäftsführer EKZ Stadtpromenade GmbH) zu Wort. Schon zu Anfang betont er, man spreche hier über ein Privatgrundstück. Das Grundstück koste die EKZ monatlich über 5.000 €. Seit sie die Fläche erworben haben, hätten sie also über 787.000 € für die Sicherung der Fläche ausgegeben. Bis Ende 2018 Kostenangebote geholt und Mietverträge vorverhandelt. Im Februar 2019 habe man eine Deckungslücke von 6,1 Mio. € wegen erhöhter Baukosten und gestiegener Baukostenzuschüsse für Mieter festgestellt. Deshalb habe man Änderungen an der Festlegung der Gebäudestruktur angestrebt und auch mit zwei großen Ankermietern wirtschaftliche Verhältnisse geschaffen. Sog. „weiche Kosten“ wie die Kosten für die Stellplatzablöse könnten sie sich nicht mehr leisten. Er kenne die Zahlen und könne den schlechten Eindruck, der in der Öffentlichkeit entstehe, nicht teilen. Ihr derzeitiges Konzept sehe eine Fertigstellung innerhalb von 13 Monaten vor. Und selbst wenn die EKZ (mal wieder) nicht rechtzeitig fertig würden, sondern sich erst im erweiterten Rohbau befänden, würde man doch wohl nicht etwa den Vertrag kündigen wollen: „Das kann es doch nicht geben“. [100] Man solle sich genau überlegen, welche schlechte Presse man hier veranstalte, weil dies alles auch den Erfolg des Handelsprojektes gefährde. Mit Bezug auf das CBC sagt er in stolzem Ton „Ich kann Handel“ [100] – dabei ist für die Stadtverordneten viel mehr sein Versagen bei der Umsetzung des zweiten Bauabschnitts und die in der Vergangenheit demonstrativ zur Schau gestellte Arroganz von Interesse. Bis September 2020 wolle er relativ genau sagen können, das Projekt sei sauber wirtschaftlich darstellbar und sie beginnen mit dem Bau. Abgeordnete betonen in der anschließenden Fragerunde, der Zustand der Fläche an sich sorge für die schlechte Presse und die EKZ selbst habe das Vertrauen durch Nicht-Kommunikation zerrüttet. Becker hingegen beklagt, dass von der Stadt niemand zu ihm ins CBC gekommen sei und sich seine Akten angesehen habe. Becker sichert sehr knapp zu, die Finanzierung sei bis zur Refinanzierung gesichert. Als Frank Mittag anmerkt, die bemängelte aktuelle Situation sei ja überhaupt erst zustande gekommen, weil die EKZ den älteren Bebauungsplan nicht erfüllt hätte, fällt ihm Becker ins Wort. Man habe die Finanzierung 14 Tage nach dem fest vereinbarten Stichtag liefern können, „[…] nur war es einzelnen Herren in dieser Verwaltung die 14 Tage nicht wert, darauf zu warten.„[100]. Letzteres sei die Erklärung für das Scheitern des letzten Bebauungsplans. Auf die Frage hin, ob er denn die angekündigte Finanzierungssicherung bis September garantieren und belegen könne, meint Becker: „Ich gebe keine Garantie ab, noch nicht einmal meiner Frau“[100]. Weiterhin versichert er, genug finanzielle Reserven zu haben, um nicht in naher Zukunft erneut Änderungen und Verschiebungen vornehmen zu müssen, sobald sich beispielsweise Kosten änderten. Einen Plan für den Fall, dass im September nicht alles wie geplant verläuft, habe er nicht. Ein weiterer Abgeordneter erkundigt sich danach, ob sich denn die strategischen bzw. Finanzierungspartner des Projektes geändert hätten. Darauf antwortet Becker, die EuroHypo sei es nicht mehr, aber sie hätten einen Partner: „Das ist gesichert. Und mehr müssen Sie dazu nicht wissen.“ Letztendlich sichert Becker zu, den Planungsfortschritt zu Änderungen an der Gebäudestruktur jeweils schnellstmöglich transparent zu machen. Die beiden großen Ankermieter umschreibt er als ‚Lebensmittel-Vollsortimentler‘ und Waren des täglichen Bedarfs (nicht Lebensmittel)[100]. Insgesamt tritt Becker in der „aktuellen Stunde“ aber mit folgendem Narrativ auf: Die EKZ haben gut gearbeitet; etwas Pech gehabt; die Verzögerungen seien noch ganz im gewöhnlichen Rahmen; die Verwaltung habe sich nicht ausreichend bemüht; es wird schon alles passen und mehr brauchen die Stadtverordneten nicht zu wissen. Eingeständnisse von Fehlern gab es keine. Nicht nur mögliche Kunden und Projektpartner werden von schlechter Presse abgeschreckt. Auch EKZ/Gepro kämen in Zukunft – würden sie nach all den Kontroversen an diesem Projekt endgültig scheitern – vermutlich als überaus schlecht beleumundetes Unternehmen als Projektträger in größeren Bauprojekten kaum noch in Frage. Auch wenn sich Becker arrogant und selbstsicher gibt, er hat um seinen Ruf zu bangen.

Ein Ausstiegskonzept in sanftem Ton

(Juni 2020)

Er hat im Grunde genommen keinen detaillierten Plan und er hat auch kein Geld. Die Finanzierung steht nicht. Die will er erst im September darstellen. Das geht aber nun wirklich schon seit vielen Jahren, nämlich seit einem Jahrzehnt. Hier muss man irgendwann anfangen. Ein kleiner dezenter Druck muss da sein, damit er nicht glaubt, er kann mit uns machen, was er will. Und ich halte es für ein sehr schlechtes Signal, wenn die Stadtverordnetenversammlung hier kuscht.

Frank Mittag (Unser Cottbus) über René Becker und den Antrag auf Erstellung eines Ausstiegskonzepts, 2020 [100]

Der Antrag zur Erstellung eines Ausstiegskonzeptes führt zu einer regen Diskussion in der Stadtverordnetenversammlung. Dabei wird deutlich, dass das Vertrauen der Abgeordneten aufgrund der vielen Wortbrüche der EKZ erschüttert ist. Daran hat auch der Auftritt Beckers bei einigen nichts geändert. Der Oberbürgermeister kündigt an, er müsse prüfen, ob er den Antrag beanstandet, falls er den Eindruck bekommt, für die Stadt könnte durch den Antrag Schaden entstehen. Außerdem macht er den Vorschlag, den Antrag dazu zu ändern, eine Folgekostenabschätzung für den Fall eines Ausstiegs zu erstellen. Er wird allerdings von einem Stadtverordneten darauf hingewiesen, dass der Antrag lediglich vorsieht, ein Konzept aufzustellen – darin enthalten auch eine Folgekostenabschätzung – und nicht den Ausstieg selbst beschließen will. Die Terminankündigungen der EKZ seien schon zu oft nicht eingehalten worden und darauf müsse man in Zukunft besser vorbereitet sein. Andere halten den Antrag nach dem Vortrag des Gutachters für rechtlich bedenklich. Schlüssig begründet wird dies nicht. Mehrfach wird in der Debatte deutlich, dass die Verordneten sich von Becker haben verunsichern lassen und nun fürchten, durch negative Signale nach außen die Projektakquise zu erschweren. Selbst von „verlässlicher Partnerschaft“ mit der EKZ, um auch für kommende Projekte attraktiv zu wirken, wird schwadroniert. Joachim Käks (CDU) entgegnet: „Dieser Zustand da draußen ist ein einzig falsches Signal. Da sind wir uns doch wohl offensichtlich einig“ [100]. Man müsse sich doch wenigstens vorbereitend einmal eingehend damit auseinandergesetzt haben, wie man verfährt, falls nicht gebaut wird. Frank Mittag (Unser Cottbus) wird noch deutlicher: „Er hat im Grunde genommen keinen detaillierten Plan und er hat auch kein Geld. Die Finanzierung steht nicht. Die will er erst im September darstellen. Das geht aber nun wirklich schon seit vielen Jahren, nämlich seit einem Jahrzehnt. Hier muss man irgendwann anfangen. Ein kleiner dezenter Druck muss da sein, damit er nicht glaubt, er kann mit uns machen, was er will. Und ich halte es für ein sehr schlechtes Signal, wenn die Stadtverordnetenversammlung hier kuscht“ [100]. Klaus Groß (Unser Cottbus) bezeichnet den Auftritt von Becker als „Verneblungsaktion“ [100]. Man solle solange misstrauisch sein, bis den langatmigen Ausführungen über die geleistete Arbeit auch Taten gefolgt sind. Letztendlich stimmen die Abgeordneten für einen leicht geänderten Antrag, in dem ‚Ausstiegskonzept‘ durch ‚Handlungskonzept‘ ersetzt wird: „Die Stadtverwaltung Cottbus wird beauftragt, ein rechtlich geprüftes Handlungskonzept auf der Grundlage der vertraglichen Verpflichtungen mit dem Eigentümer/Investor […] zu erarbeiten und den Fachausschüssen bis September 2020 sowie der Stadtverordnetenversammlung am 30. September 2020 zur Beratung und ggf. Entscheidung vorzulegen“ [100].

Stimmen nach der aktuellen Stunde

(Juli – August 2020)

Frank Mittag (Unser Cottbus) sieht im ordnungsrechtlichen Vertrag, Paragraph 10, aus dem Jahr 2010 eine Lösung, um eine Begrünung der Fläche einzufordern: „Wenn die EKZ nicht fristgemäß bis zum 31. Dezember 2021 baut oder es erkennbar ist, dass sie nicht mit den Arbeiten angefangen hat, muss die EKZ die Fläche entsprechend dem Vertrag befestigen und begrünen“ [102]. Dieser Fall trete bereits ab Dezember 2020 ein. Denn der Eigentümer und Investor habe erklärt, dass das Bauvorhaben innerhalb von 13 Monaten umgesetzt werden soll. „Dann kann die EKZ GmbH solange Eigentümerin bleiben, wie sie lustig ist. Was anderes bauen kann sie nicht, die Stadt muss nichts bezahlen, aber der Schandfleck wäre weg. Die Stadt kassiert Grundsteuern. EKZ GmbH hatte ihre Chance.“ [102] In der Lausitzer Rundschau kommt im Juli auch ein Bürger zum Auftritt von René Becker zu Wort: „Einige seiner Aussagen sind nicht in sich konsistent, weil sie sich teilweise widersprechen. So erweckt er den Eindruck, die Bauverzögerung sei geringfügig und benennt dazu einen Zeitraum von zwei Jahren (April 2018 bis jetzt). (…) Für die hohen Kosten für Flächensicherung usw. von 787 000 Euro setzt er nun aber nicht die zwei Jahre, sondern etwa 14 Jahre an (2006 bis jetzt). Er wollte und sollte also schon über ein Jahrzehnt dort bauen. Wegen des langen Zeitraumes dieses unhaltbaren Zustandes ist er selbst hauptsächlich für diese hohe Summe verantwortlich. […] Unsere gewählten Bürgervertreter sollten mit den Verantwortlichen im Land und im Bund sprechen mit dem Ziel, Finanzen für einen Rückkauf der Fläche zu ermöglichen, falls in den nächsten Monaten nichts Entscheidendes passiert. (…) Unsere gewählten Bürgervertreter sollten mit den Verantwortlichen im Land und im Bund sprechen mit dem Ziel, Finanzen für einen Rückkauf der Fläche zu ermöglichen, falls in den nächsten Monaten nichts Entscheidendes passiert. (…) Das am 3. 7. 2020 beschlossene Kohleausstiegsgesetz und das Strukturstärkungsgesetz lassen zweistellige Milliardenbeträge (…) in die Lausitz fließen. Zur Verbesserung der Energie-, der Digital- und der Verkehrsstrukturen gehört ja wohl bestimmt auch die Heilung der strukturellen Wunde der Brache im Stadtzentrum. Die Lausitz ist genug gebeutelt, da haben sich die Spitzen der Parteien Deutschlands auch weiter starkzumachen für ein vernünftiges Cottbuser Stadtzentrum. (Michael Ziegler, Cottbus) [103]
Im August kündigen „Schönes Cottbus“, der Bürgerverein Cottbus-Mitte, der Altstadtverein und der Eigentümerverein Haus&Grund an, sich zukünftig gemeinsam als „City-Allianz“ für das Verschwinden der Brache einzusetzen [104].

Wieder überzogen

(September 2020)

Ende September verkündet der Oberbürgermeister dann vor der Stadtverordnetenversammlung, dass es Nachricht von der EKZ gab: „Eine notwendige Grundbuchbereinigung soll bis Ende Oktober vorliegen. Sie ist Grundlage für alles Weitere. Nach Angaben des Investors sind die Gewerbemietverträge für die nunmehr vier großen Flächen im Erdgeschoss des geplanten Baus endverhandelt und sollen ebenfalls bis Ende Oktober unterzeichnet sein. In den Obergeschossen will der Investor Büroflächen anbieten und setzt dabei auf einen sich durchaus abzeichnenden wachsenden Bedarf im Rahmen von Ansiedlungen im Strukturwandel.

Das Gebäude soll einschließlich der Fassadengestaltung weitgehend den Vorgaben aus dem bestehenden B-Plan, der gültigen Baugenehmigung sowie dem städtebaulichen Wettbewerb aus dem Jahr 2016 entsprechen. Ziel ist es laut Investor, im zweiten Quartal des kommenden Jahres mit dem Bau zu beginnen und im vierten Quartal 2022 alle Nutzungen in Betrieb zu nehmen. Weitere Details will der Investor in der Sitzung des Bauausschusses im Oktober vorstellen.“ [105] Damit ist sowohl klar, dass die EKZ im September nicht alles geklärt haben, als auch, dass die angekündigte Fertigstellung des Baus in 13 Monaten fern jeder Realität ist.

Fortsetzung folgt…

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